Man könnte Michael Borner als einen Gitarristen unserer Zeit bezeichnen, der keinen Unterschied zwischen populärer und ernster Musik, zwischen Improvisation und Komposition macht.

Seine Musik ist unglaublich vielfältig und umfasst eine große Bandbreite an Genres wie Renaissance, Barock, Klassik, Romantik, Jazz, Fusion, Rock, Blues, Funk und Latin-Music. Falls man Kategorien braucht, hier sind sie! Die veröffentlichten Noten seiner Kompositionen widmen sich sowohl pädagogischen Aspekten als auch zeitgenössischen Kompositionsverfahren. Was steckt denn eigentlich hinter dieser beeindruckenden Vielfalt?
Sein künstlerischer Weg ist geprägt von klassischem Gitarrenstudium, Bandprojekten, Meisterkursen, Konzerten in Kneipen, Kirchen und Konzertsälen, Unterrichten, Studioaufnahmen, Komponieren, Bearbeiten und viel Üben. Neben vielen Gitarristen waren es Michel Pilz, Bassklarinettist, oder Randy Brecker, Trompeter, die seine Improvisationen beeinflussten. Aber auch das Temperament des Klassik-Virtuosen Eliot Fisk oder des Latin-Drummers Phil Maturano prägten sein Spiel. Ingo Schmitts Kompositionsunterricht zählte neben allem jedoch zu den wichtigsten Erfahrungen. Michael Borner gehört zu einer Komponisten-Generation, die in Proberäumen aufgewachsen ist. Die Vielfalt anderer Musiker inspirierte ihn immer wieder, neue Klangmöglichkeiten zu erkunden. Improvisation spielt dabei für ihn eine zentrale Rolle.
Seine musikalische Reise, die ihn sowohl durch die Klassik als auch durch Rock und Jazz geführt hat, prägt seine eigene Musik in vielfältiger Weise. Dabei zeigt er stets angemessenen Respekt: auch wenn er auf der Gitarre sich vieler Musikstile bedient, sieht er sich ausdrücklich nicht als „Alround-Talent“ . Michael Borner hat schon lange seine eigenen Schwerpunkte in der musikalischen Improvisation und rhythmischen Gestaltung gefunden. Folglich finden sich in seiner Musik häufig lateinamerikanische oder afrikanische Rhythmen, sowohl auf der klassischen als auch auf der elektrischen Gitarre. Besonders reizt ihn eine melodisch attraktive Gestaltung sowie ein kreativer Umgang mit der musikalischen Zeit.
Das Komponieren versteht er als Bereitstellung von „funktionstüchtigen“ Stücken, wobei seine eigenen Schwerpunkte dabei keine Rolle spielen. Vielmehr ist es seine Vorstellungskraft, die bestimmt, welche musikalischen Effekte in einem Konzert für andere Menschen möglicherweise von Interesse sein könnten. Die Harmonik muss für ihn farbig und abwechslungsreich sein, die Melodien müssen viel aushalten können. Inhalt und Form müssen sich seiner Meinung nach in Einklang bringen lassen.
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