Biografie

Über Michael Borners Solo-Debüt 1982 schreibt die Presse bereits:

Borner, der sich gegenüber allen Musikrichtungen von der Klassik bis hin zum Rock offen zeigte, demonstrierte dem begeisterten Publikum seine besonderen Fähigkeiten im breitgefächerten Bereich des modernen Jazz, in dem er sein Talent zur Improvisation voll entfalten konnte. So brachte er nicht nur bekannte Stücke zu Gehör, sondern improvisierte auch frei und ausgesprochen gekonnt über vorgegebene Themen und stellte eigene Kompositionen vor. … Vor allem aber zeigte er in seinen Interpretationen eine durchgreifende Musikalität und Einfühlsamkeit in die hohen Ansprüche, die die breite Skala der von ihm dargebotenen Kompositionen stellte.

Seit etwa dieser Zeit gibt es in der künstlerischen Laufbahn des jungen Gitarristen, den später die Presse sogar zum „Meister und seine Gitarre“ küren wird, eine wilde Orientierungsfahrt zwischen klassischem Gitarrenstudium, zahlreichen (mehr oder weniger erfolgreichen) Bandprojekten, Meisterkursen, Konzerten in Kneipen, Kirchen und Konzertsälen, Unterrichten, gelungenen (und misslungenen) Studioaufnahmen, Komponieren, Bearbeiten und … Üben. Vielen unterschiedlichen Musikern begegnet er, die ihn und seine Musik prägen; unter ihnen beispielsweise der aus ‚Globe Untity‘ – Zeiten international bekannte Bassklarinettist Michel Pilz, mit seinen intuitiv, aber konsequent strukturierten, druckvollen Improvisationen oder der weltberühmte Trompeter Randy Brecker, mit seinen tonal und rhythmisch meisterhaften Solos. Die Kommunikation mit anderen Musikern und ihren verschiedenen musikalischen Ausdrucksformen ist es, die den stets neugierigen Gitarristen immer mehr zur Suche nach neuen Klangwelten veranlasst. Hierbei spielt für ihn die Improvisation eine zentrale Rolle:

„…Wenn ich darüber nachdenke, war das Improvisieren eigentlich immer ein Schwerpunkt meiner Arbeit. Jedes Stück, das aufgeschrieben wird, entsteht aus einer Improvisation, die bei dem Versuch, sie zu wiederholen schon wieder anders sein kann. Wenn es möglich ist, mehrere Versionen zu behalten, ist die Chance, dass ein Stück gelingt, größer. Das Improvisieren als Musizierart ist dagegen eher ein Prozess des Reagierens, eine Affekthandlung; denn so schnell ist es nicht möglich, sich das beste auszusuchen. Man reagiert dabei zunächst auf das vorangegangene, dann auf den musikalischen Kontext, wie etwa Rhythmik oder Harmonik, auf die Mitmusiker, auf das Publikum, auf das Instrument, auf den Raum, auf die Temperatur u.s.w. – möglicherweise alles innerhalb eines Bruchteils von Sekunden: dies kann nur unbewußt geschehen. Dadurch ist jedoch auch ein direkter ,Draht zu den innersten Gefühlen hergestellt: es wird nicht bewußt (aus-)sortiert. Für mich bedeutet das Improvisieren ehrlich sein zu können.

Die Wirkung in seinen Konzerten dokumentiert die Presse in folgender Weise:

Gitarrist Michael Borner, ein Improvisationskünstler ersten Ranges, war das musikalische Herz des Abends – pulsierend, äußerst virtuos. Kopf und Seele verbanden sich bei dem Künstler zu einer anregenden Konstellation. Er gab die entscheidenden musikalischen Signale an seine Mitspieler weiter, war Treibriemen und Hauptgestalter zugleich.

Zunehmend fliessen nun alle Band-Erfahrungen und -Gewohnheiten – vor allem die seines langjährigen Trios mit Bass (Rolf Fahlenbock) und Schlagzeug (Peter Even) – in seine Solo-Konzerte mit ein, viele Stücke werden groove-orientierter, polyphoner, harmonisch komplexer. Es scheint, dass seine vielfältigen musikalischen Erfahrungen in immer größerem Umfang seine Solokonzerte prägen. Dies sogar, wenn er – wenn auch selten – Stücke von Komponisten wie Leo Brouwer, Manuel M. Ponce oder Joaquin Rodrigo in sein Programm aufnimmt, so bemerkt die Presse beispielsweise:

Borner bestach durch seine Finesse in bezug auf die pfiffige und schwungreiche Ausgestaltung der volkslied-charakterhaften Melodien und der südamerikanisch hitzigen Rhythmen. Da brach der Vollblutjazzer Michael Borner durch, der mit leidenschaftlicher Verve die folkloristischen und jazzharmonischen Elemente der impressionistischen Stücke zu einem wahrhaften Schlußhighlight verhalf.“

Aber diese eigene Spielweise bleibt nicht exklusiver Bestandteil seiner Solokonzerte, auch im anderen Kontext z.B. bei dem Soloprojekt „Sounds to flow- music for tape & guitar 1990, das er für einen Skulpturenpark verwirklichte, dem eigenen Konzert für Gitarre und Orchester „Zum Ende einer Zeit“, das er 1995 mit dem Aachener Kammerorchester uraufführte, oder mit seinem Ensemble „music from different places“, einem Jazzquartett mit Percussion und Streichern, bleibt sein Stil, verknüpft mit Leidenschaft und Temperament unverkennbar.

Südamerikanisches Temperament riß mit – Große Leidenschaft in leisen Tönen“ beschreibt die Presse sein Spiel, „Ein echter Virtouse. Michael Borner fesselte seine Zuschauer an seine Gitarre. Kaum zu glauben, was er mit dem Instrument alles macht.“ heißt es, oder: „Borner zeigt so seelenvoll alle Facetten großen Gitarrenspiels, dass man, wüsste man nicht, dass er Deutscher ist (einer der besten Gitarristen der Szene hier), ihm eine südamerikanische Herkunft zuschreiben würde.